Wenn Zugriffsentscheidungen nicht mehr an Übergaben hängen.

Siemens – IAM-Prozesse und digitale Nachweise

Stellen Sie sich vor, eine Prüfung passiert einmal. Das Ergebnis liegt vor. Und beim nächsten Schritt – beim Zugangssystem, beim IAM, beim Zielsystem – muss niemand mehr von vorne anfangen. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit. In den meisten großen Organisationen ist es das nicht. Und genau das war die Ausgangsfrage im Projekt mit Siemens.

Das Problem war nicht die Prüfung. Das Problem war alles, was danach passiert.

In großen Organisationen läuft Onboarding selten in nur einem System. Identitäten werden geprüft, Zugänge vorbereitet, Berechtigungen vergeben, Freigaben dokumentiert. Sicherheit ist da, Nachvollziehbarkeit meistens auch. Aber der Weg dorthin ist oft mühsam.

Bei Siemens zeigte sich das sehr konkret. Manuelle Identitätsprüfung, physische Karten, temporäre Zugänge und Abstimmungen zwischen mehreren Stellen sorgten dafür, dass ein an sich klarer Prozess unnötig viel Übergabeaufwand erzeugt.

Das Problem beim Onboarding ist nicht die Prüfung. Das Problem ist, dass ihr Ergebnis danach niemand nutzt.
Mit der EUDI Wallet wird genau diese Lücke strategisch relevant.

Drei Situationen, in denen der Unterschied sichtbar wurde.

Damit die Frage nicht abstrakt blieb, wurde der Showcase an drei typischen Situationen durchgespielt.

Neue Mitarbeitende: Nach einem erfolgreichen digitalen Onboarding sollte ein temporärer Zugang schnell und nachvollziehbar aktiviert werden – ohne mehrere manuelle Übergaben.

Pensionierte Mitarbeitende: Wer weiterhin auf das Alumni Portal zugreifen soll, braucht keinen Sonderweg außerhalb des eigentlichen Prozesses. Der relevante Status muss als Nachweis nutzbar sein.

Neue Einheiten im Unternehmen: Wenn neue Bereiche oder integrierte Teams angebunden werden, braucht es keinen langen Kettenprozess aus Einzelfallentscheidungen. Geprüfte Informationen müssen gebündelt und nachvollziehbar in bestehende Zugangsprozesse übernommen werden können.

Drei Situationen, ein Muster: Eine Prüfung passiert einmal. Das Ergebnis wird als Nachweis bereitgestellt. Der Nachweis wird in weiteren Systemen genutzt.

Ab hier wird aus Prüfung ein Nachweis.

Im Showcase wurde genau dieser Schritt sichtbar gemacht. Geprüfte Informationen wurden als digitale Nachweise bereitgestellt, in einer Wallet gehalten und bei Bedarf in bestehende IAM-Prozesse eingebunden. Statt dieselbe Information noch einmal zu erheben oder manuell abzugleichen, wurde der Nachweis geprüft und direkt in die vorhandene Entscheidung übernommen.

SOWL übernahm dabei die Verbindung zwischen Ausstellung, Prüfung und Einbindung in die bestehende IAM-Logik. Verzeichnisse, Rollenmodelle und Zielsysteme mussten dafür nicht ersetzt werden. Neu war nicht die Landschaft selbst, sondern die Grundlage, auf der sie Entscheidungen trifft.
 

Bestehende Systeme bleiben. Neu ist, wie sie geprüfte Informationen nutzen.

Warum das keine Technikdemo bleibt.

Spannend an diesem Projekt ist nicht nur, dass der Ablauf technisch funktioniert hat. Spannend ist, was dadurch organisatorisch sichtbar wurde.

Sobald ein Nachweis über einen Zugang mitentscheidet, reicht es nicht, dass die Technik sauber läuft. Es muss klar sein, wer ausstellt, wer prüft, wem vertraut wird und wie ein Widerruf nachvollziehbar bleibt. Erst wenn das geklärt ist, wird aus einem Nachweis eine belastbare Grundlage für Audit, Compliance und spätere Entscheidungen und nicht nur ein neues Behältnis für Daten.

Die Wallet ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, Nachweise in bestehende Prozesse zu bringen.


Was dieses Projekt zeigt und was es offen lässt.

Das Siemens Showcase ist kein produktiver Rollout. Es ist eine strukturierte Untersuchung und das ist seine Stärke. Es zeigt, was technisch möglich ist, aber auch, welche organisatorischen Fragen beantwortet sein müssen, bevor die Technik zuverlässig trägt.

Für jede Organisation, die Onboarding-Prozesse betreibt, Identitäten prüft und Zugänge verwaltet, stellt sich dieselbe Frage: Wie viele dieser Prüfungen passieren mehrfach, nur weil ihr Ergebnis nicht als Nachweis weitergenutzt wird? Das Siemens Showcase zeigt, wie die Antwort in bestehenden Systemen aussehen kann. Ohne Neubau. Ohne Systemwechsel. Mit einer anderen Grundlage für Entscheidungen.