Digitale Identitäten gab es. Ein Netzwerk, das sie verbindet, noch nicht. IDunion hat es gebaut.
IDunion – Dezentrales Identitätsnetzwerk mit SOWL
Ein Unternehmen will den Berufsabschluss eines neuen Mitarbeiters prüfen. Die Urkunde existiert digital. Trotzdem dauert der Prozess Tage – weil das System des Unternehmens nicht mit dem System der ausstellenden Stelle verbunden ist. Der Nachweis ist vorhanden. Er ist nur nicht anschlussfähig. Das ist kein Einzelfall. Es ist die Grundstruktur fast aller Prozesse, die auf Identitätsinformationen angewiesen sind.
Jede Organisation prüft. Keine teilt das Ergebnis.
Jede Organisation baut ihr eigenes Silo. Nachweise, die in System A ausgestellt werden, sind in System B wertlos. Der Nutzer beginnt jeden Prozess von vorne. Das Problem ist nicht fehlende Digitalisierung, viele dieser Nachweise existieren längst digital. Das Problem ist fehlende Anschlussfähigkeit.
Nachweise, die nicht anschlussfähig sind, haben keinen Wert – egal wie sicher sie ausgestellt wurden.
Vier Partner. Eine Architektur. Und die Frage, wer das Fundament baut.
Ein Identitätsnetzwerk braucht mehr als Technik. Es braucht Governance: klare Regeln darüber, wer Nachweise ausstellen darf, wer prüft und wem vertraut wird. IDunion baute diesen Rahmen auf. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz förderte das Projekt als Schaufensterprojekt für digitale Identitäten – kein Konzeptpapier, sondern Anwendungsfälle, die real pilotiert wurden.
Die Konsortialpartner deckten das Spektrum von staatlichen Ausstellern bis zu privatwirtschaftlichen Prüfstellen ab.
esatus brachte in diesen Rahmen die SOWL-Plattform ein. Sie übernahm die technische Verbindung zwischen den beteiligten Systemen: Ausstellung, Prüfung und Widerruf von Verifiable Credentials nach offenen Standards. Bestehende Systeme mussten dafür nicht ersetzt werden. Sie wurden angebunden.
Bestehende Systeme blieben. Neu war, wie sie geprüfte Informationen bereitstellten und nutzten.
Einmal prüfen. Überall nutzen.
Ein Nachweis, der im Netzwerk ausgestellt wurde, konnte von jedem Teilnehmer geprüft werden. Ohne Rückfragen, ohne manuelle Übertragung, ohne erneute Verifikation. Das klingt selbstverständlich. Es war es nicht.
Denn es setzte voraus, dass alle Beteiligten denselben technischen Standards folgten, denselben Vertrauensrahmen akzeptierten und ihre Systeme entsprechend öffneten. Genau das war die eigentliche Aufgabe von IDunion. Nicht die Technik zu bauen, die es schon gab. Sondern die Verbindung herzustellen, die noch fehlte.
Was nach dem Projektende blieb.
IDunion war zeitlich befristet. Das Netzwerk, das dabei entstand, ist es nicht. Die Architektur folgte den Standards des europäischen EUDI Wallets. Was in IDunion aufgebaut wurde, war keine nationale Insellösung – es war die Vorbereitung auf eine Infrastruktur, die europaweit kommt.
SOWL ist seither in nationalen Piloten, EU-geförderten Forschungsprojekten und produktiven Einsätzen weiterentwickelt worden.
Was im Projekt erprobt wurde, war die Vorbereitung auf eine Infrastruktur, die europaweit kommt.
Die offene Frage, die IDunion gestellt hat.
IDunion hat gezeigt, dass das technische Problem lösbar ist. Was es nicht lösen konnte, weil das keine technische Frage ist, ist die organisatorische Bereitschaft, Nachweise anschlussfähig zu machen.
Welche Prüfergebnisse entstehen in Ihrer Organisation heute, die danach im System bleiben und nie weitergenutzt werden? Welche dieser Ergebnisse würden als Nachweise anderen Prozessen Zeit und Aufwand sparen – wenn sie denn anschlussfähig wären?